2014-08-07 09.51.44

Wie es (vielleicht, wahrscheinlich) weiter geht

It happened. Ich bin jetzt 30. Und ich habe keinen Job. Also keinen festen. Für viele scheint das entspannt, normal, was-auch-immer. Für mich ist diese Kombination Anlass für eine veritable Sinnkrise. Wo geht es hin, was kann ich überhaupt und so Schnulli. Vor allem stelle ich mir gerade die Frage, ob und in welcher Form ich weiterhin in der Wissenschaft tätig sein möchte. Jede_r in der Forschung wird diese Phase kennen – ich durchlebe sie jetzt.

Die vergangenen Jahre waren intensiv. Ich habe annähernd 30 Vorträge auf nationalen und internationalen Konferenzen gehalten, einige Texte publiziert, ein bisschen gebloggt, Workshops und Sessions organisiert und war hin und wieder mit Medien im Gespräch. Die letzte Zeit war also einerseits aufregend, anregend, lehrreich, spannend, eindrucksvoll. Und andererseits weiß ich ganz klar, dass ich eine Pause brauche. Einen Break vom akademischen Wahnsinn. Und zwar genau jetzt, bevor ich in x Jahren einknicke und gar nichts mehr läuft.

Und ich brauche Zeit für wichtige persönliche Projekte, zu denen natürlich meine Diss gehört – hier suche ich gerade händeringend nach einer Finanzierung, um meine Forschung für die ca. nächsten zwei Jahre auf feste Füße zu stellen. Aber auch der Nachlass meines Vaters Frank steht auf der Liste, bei dessen Aufbereitung ich meine Großeltern gerne unterstützen möchte, wenn nicht gar muss. Daneben schraube ich an mehreren Texten zu meiner Diss (Podcasts, Technologie als Interface zw. Journalismus und Publikum), zur Ethik der Onlineforschung und an einem Artikel für ein Online-Magazin. Und ein kleines Forschungsprojekt bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Hans-Bredow-Institut, steht auch noch an. Es gibt also jede Menge zu tun. Zuletzt kam im Laufe dieser Woche noch das Projekt „Frauen* machen Podcasts“ dazu (SpOn-Artikel, zwei Radio-Interviews dazu werden am Wochenende gesendet), über dessen Verlauf ich hier gerne nochmal berichten werde – entstehen soll ein Blog, der die Podcasts mit und von Frauen* sowie die Podcasterinnen* dahinter vorstellt. Die ersten Entwürfe stehen, die Umsetzung wird allerdings noch einiges an Energie und Zeit brauchen. Und einen eigenen Podcast möchte ich ja auch schon länger starten.

Neben diesen Projekten und Aktivitäten werde ich die (Zwangs-)Atempause nutzen, um ein bisschen durch Deutschland zu tingeln. Startpunkt ist schon kommende Woche: Am 15./16. August 2014 bin ich Bremen zur Alumni-Konferenz der ECREA Summer School. Anschließend geht es direkt nach Halle/Saale (where I was born) weiter, auf einen Besuch bei meinen Großeltern, um eine Übersicht zum Nachlass meines Vaters, der heute 52 geworden wäre, zu erarbeiten. Dann geht es für ein paar Tage weiter nach Weimar – weil es da so toll ist! Ende August fahre ich eventuell/vielleicht zum Podstock Festival, um zu schauen, zu lernen, Spaß zu haben. Mitte September bin ich für ein paar Tage in Berlin, zum Nachwuchstag der DGPuK, u. a. um einen Workshop zum Thema Podcasting zu geben. Ziel von dat Janze ist ein Podcast, der den deutschsprachigen Nachwuchs der Medien- und Kommunikationswissenschaft porträtiert. Danach folgt eine (hoffentlich produktive) Pause, bevor ich am 23. Oktober auf den Medientagen München an einer Podiumsdiskussion des Bayrischen Rundfunks teilnehmen werde. Im November bin ich dann zuerst mit einem Vortrag auf der zweijährlich stattfindenden Konferenz der ECREA in Lissabon (12.-15. November 2014, Info) und gegen Ende November auf dem vierten Podlove Podcaster Workshop in Berlin.

Es wird also eine aufregende zweite Jahreshälfte, der ich mit Zweifeln und Zuversicht begegne. Mir sagte heute eine Bekannte, sie hätte ihre Arbeitslosigkeit im Sommer gerne mehr genossen und sich lieber weniger Druck gemacht – genau das ist mein Plan. Kopf umstülpen, schauen was drin steckt, das Herz befragen und dann … weitermachen. Und dazwischen mit Menschen sprechen, schöne Konzerte hören, ein wenig die Freiheit genießen. All dies. Ich freu mich drauf.

So much for now.

N.

P. S. Das Bild da oben: Vor ungefähr zehn Jahren hat mir ein guter Freund diese Marke geschenkt und gesagt, wenn ich so alt bin, dann würde er mich heiraten – ich wäre jetzt soweit ^^

5 Gedanken zu “Wie es (vielleicht, wahrscheinlich) weiter geht

  1. Ich versteh Dich total und vielleicht kann Dir . Ich glaube, diese Form der Sinnkrise hängt auch aber nicht ausschließlich an der sozialstrukturellen Lage. (Das es eine Frechheit ist, mit welcher Selbstverständlichkeit sich überzogene Leistungserwartungen bei schlechter bis geringer Anleitung unter wirtschaftlich lächerlichen Bedingungen im Wissenschaftssystem etabliert haben, lasse ich mal gnädig außen vor.) Wenn ich mal von mir extrapoliere hat es auch etwas damit zu tun, dass man kurz vor dem „Durchbruch“ im eigenen Projekt – wenn man merkt, dass es ein Arbeiten wie in vielen Jobs ist – automatisch ganz fundamental befragt wird, ob man das jetzt die nächsten 30 Jahre und eigentlich länger machen will.

    Achso, und: Alles Gute nachträglich!

    1. Danke für den Glückwunsch :) Und, hast du schon eine Antwort auf diese Frage gefunden? Bei mir steht der „Durchbruch“ noch was aus, aber die Fragen tauchen schon auf. Und zu deiner Bemerkung in der Klammer wünsche ich mir mal einen längeren Text von dir *plinker-plinker* Wie auch immer: Es. geht. immer. weiter.

      1. Nee! Ich sag mal so: Diese Woche habe ich mein Arbeitszimmer umgeräumt und ne Moderationsschicht beim Radio gemacht, gerade koche ich. Da ist also durchaus eine Vermeidungshaltung zu erkennen…

        Längere Texte, ok. Dann werde ich mal loslegen.

  2. Liebe Nele, danke für den Hinweis *auf Dich* – via Sternchen bei twitter… Mein Tipp: Genieß den Sommer, auch wenn es schwer fällt, diese „Sinnkrise“ einzudämmen. Ich kann nur sagen, es ist egal, wann (also ob mit 30 oder 40 oder…) Du an so einen Punkt kommst, das wichtigste ist, sich nicht selbst zu überfordern. Also auch, das Leben eben auch in so einer unklaren Situation von der schönen Seite aus sehen. Es geht. Auch, wenn Du nicht weißt, woher nun gerade die passenden finanziellen Mittel kommen.
    Ich kann das schreiben, weil ich genau das auch gerade „er“ und nicht durch-lebe. :) also: Viel Erfolg und, wie man hier, wo ich derzeit heimisch bin, sag: Aufi, pack‘ mer’s!

    1. Liebe Su, ich danke dir sehr herzlich für deinen Kommentar – es tut sehr gut zu hören, dass „da draußen“ andere Menschen sind, denen es vielleicht ganz ähnlich ergeht. Und die sich davon nicht den positiven Blick auf die Welt (und vor allem: sich selbst) nehmen lassen. Ich bin eigentlich noch ganz frohen Mutes, auch wenn die Tage jetzt dunkler werden. Und ja, lass es uns anpacken, das Leben! :)

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