„Hier ist die Sendestelle Hamburg“: Studierende auf den Spuren von Radio im digitalen Zeitalter

Ahoi, liebe_r Besucher_in.

2013 erlebte das Radio in D. seinen 90. Geburtstag. Es ist damit das älteste elektronische Massenmedium unserer Zeit. Und auch wenn man es kaum glauben mag: Das Radio, dieses wohlvertraute Gerät in der Küche, im Bad oder im Auto, ist trotz der immensen Umwälzungen unserer Medienumwelten der letzten Jahrzehnte gar nicht irrelevant – nein, es ist noch irre relevant. Aber gerade bei jüngeren Nutzer_innen spielt es eben keine so wichtige Rolle mehr wie etwa das Fernsehen oder natürlich das Internet. Dazu stoßen neue Radio-Formen, wie Webradios, und Audio-Dienste wie Spotify oder Soundcloud, die beim jüngeren Publikum gut ankommen. Gerade diese Vielfalt an Zugangswegen macht es heute allerdings immer schwieriger die Frage zu beantworten:  Wie sieht es aus und vor allem wie hört es sich an, das Radio im digitalen Zeitalter?

Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Seminars an der Uni Hamburg, das ich im Sommersemester 2014 mit zehn klasse Studierenden bestreiten durfte. Das Ganze war meine erste Lehrveranstaltung und ich hatte Lust, mal ein bisschen was auszuprobieren. Zum einen hatten wir in vielen Sitzungen tolle Gäste (vor Ort oder via Skype), die uns von ihren spannenden Projekten und ihrem Arbeitsalltag erzählt haben. Und zum anderen sollten die Studierenden keine klassischen Hausarbeiten schreiben, sondern im Laufe des Semesters Audiobeiträge produzieren, in denen sie sich mit Themen und spezifischen Fragen aus dem Seminar auseinandersetzen. Zusätzlich verfassten die Teams jeweils eine Art Arbeitsbericht, in dem sie den Weg zum Audiobeitrag – von der Konzeption bis zur Finalisierung –  und die genutzten Quellen, O-Töne etc. darstellten. Ich finde, es sind interessante, informative und unterhaltsame Beiträge dabei rausgekommen. Besonders freut mich, dass sich wirklich alle mit viel Engagement an die Aufgabe gemacht haben – auch jene, die am Anfang große Zweifel hatten, ob sie das überhaupt schaffen werden. Im Grunde war das Ganze auch eine Art Test, wie leicht es heute tatsächlich ist, mit einfachsten technischen Mitteln eigene Inhalte zu produzieren. Fazit: Es geht – und es macht Spaß! Die Ergebnisse habe ich auf meinen Soundcloud-Account hochgeladen, aber man kann sie auch direkt hier anhören. Viel Spaß dabei.

  • Los geht es mit einem Beitrag von Katrin und Salome, die sich auf einen Kurztrip durch die Radiogeschichte begeben – von Funk zu Facebook. Sie sprechen mit Hans-Ulrich Wagner von der Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland.
  • Der zweite Beitrag kommt von David, Jan und Paul – sie haben sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie es heute um das Radiohören bestellt ist. Sie haben für ihren Beitrag u. a. Audiofiles von 1live genutzt – mit denen man sich beim Sender bewerben kann – und haben mit Heinz Hiebler (Uni Hamburg) und Uwe Hasebrink (Hans-Bredow-Institut) gesprochen.
  • Im dritten Beitrag werfen Hannah und Skadi einen Blick darauf, ob und wie das Radio seine Hörerinnen und Hörer dazu einlädt, sich zu beteiligen. Dafür haben sie u. a. mit Wiebke Loosen (Hans-Bredow-Institut) über ein Projekt zu Hörer_innenbeteiligung gesprochen.
  • Im vierten und letzten Beitrag geht es Hillevi, Ronja und Sid um die große Meta-Frage, nämlich der Frage danach, was heute überhaupt noch unter dem Begriff „Radio“ verstanden werden kann. Auch sie haben sich Uwe Hasebrink für ein paar O-Töne vor das Mikro geholt.

Die Folien zum Seminar sowie den Syllabus werde ich demnächst hier bzw. auf meinem Slideshare-Profil veröffentlichen. Für die interessierte Besucherschaft habe ich zudem eine Lese-Empfehlung: Wer mehr über das Radio im digitalen Zeitalter erfahren möchte, sollte unbedingt einen Blick in das theoretisch fundierte und mit vielen (persönlichen) Praxiseinblicken angereicherte Buch „Radio in the digital age“ von Andrew Dubber werfen (erschienen 2013 bei Polity Press). Es ist sehr gut lesbar und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine generelle Diskussion darüber, wie digitale Medien entstehen, was sie im Kern ausmacht und wie wir ihre Bedeutung für das Individuum und die Gesellschaft immer wieder neu diskursiv aushandeln. Tolles Buch.

So much for now.

N.

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